Diese berührende Geschichte von Hannes und Sophie über ihren Weg mit ihrer Tochter Merlin zeigt uns, dass auch „ungewollte“ und „ungeplante“ Kinder ihren Platz im Leben und in der Gesellschaft haben. Dass sie das Leben ihrer Eltern beeinflussen und bereichern können, wenn die Eltern auch in schwierigen Situationen JA zu ihren ungeborenen Kindern sagen können. Die Geschichte beginnt in der Form eines Gedichts und endet mit dem sehr persönlichen Zeugnis des Vaters.

Plötzlich auf der Fahrradreise
flüstert Sophies Bauch ganz leise:
„He, ihr zwei, kommt mal runter
ich bin Merlin und schon munter!“
Oh Schreck, oh Schreck
wir sind ganz weg
Doch nicht aus Freude, nein
wir werden dich ABTREIB‘M!
Kein Haus, kein Geld und Arbeit nicht
wahrlich, wahrlich, mehr als schlicht
Geh‘, geh‘ von uns, du Wicht
wir brauch‘n dich ABSOLUT NICHT!
Doch Merlin lässt sich nicht verhau‘n
und kommt des Nachts im Traum,
spricht: "Hannes und Sophie
ihr verpasst ein Geschenk so schön wie nie
eine Geschichte von Liebe und Hingabe
und Streit und Prügel, ohne Frage.
Doch vergesst niemals
Da kommt so viel Licht auf Euch zu
und so viel himmlische Ruh‘
So viele Lektionen
Ich will Euch ein Stück begleiten
beim Lieben und beim Streiten.
Ich bin das Leben
ihr könnt lernen zu vergeben
Denn vergeben bedeutet wachsen
bedeutet wahrlich lieben
bedeutet wahrlich leben
Jene, welche nicht vergeben
welche aus Angst handeln
werden sich niemals verwandeln
verpassen das Wichtigste im Leben
und treffen niemals auf sich selbst.
Und so geht die Geschichte von Hannes und Sophie weiter:
Nachdem wir uns für Merlin entschieden haben, beginnt eine lange und anstrengende Suche nach dem passenden Ort für unsere werdende Familie. Das Leben hat uns in ein kleines Bergdorf gebracht. Dort bewohnen wir ein einfaches Steinhaus. Die herzlichen Bewohner des Dorfes helfen uns, wo immer sie können und sind große Unterstützung auf allen Ebenen. Perioden des Friedens wechseln mit Zeiten von Zerreißproben. Sophie in der Rolle der werdenden Mutter und ich in jener des Vaters. Und immer, wenn wir glauben, nun ist es vorbei, nun geht es nicht mehr, kommt von irgendwo ein neues Lichtlein daher.
Schließlich ziehen wir weiter nach Deutschland, um ein bisschen mehr Komfort zu haben. Doch es kommt alles anders: Merlin stirbt zwei Tage vor der Geburt im Mutterleib. Zusammen mit unserer tollen Hebamme können wir sie doch zuhause im geschützten Raum zur Welt bringen und ganze drei Tage bei uns haben, sie halten, betrachten und fühlen. Ihr plötzliches Gehen ist ein großer Schock, doch auch ein Tor zu einem ungeahnten und besonderen Geschenk. Wir sind trotz alledem so unendlich dankbar. So Vieles konnte dadurch gelernt und auch geheilt werden. Mir hat sie gesagt, dass das Leben schön und schrecklich sein kann, die Entscheidung für das eine oder andere liegt ganz bei mir. Sophie bekommt die Botschaft, dass wir ihren Körper bemalen sollten, was wir dann auch tun. Dabei fällt uns ein Stein vom Herzen und wir können sie nun leichter gehen lassen.
In der Folgezeit breitet sich große Niedergeschlagenheit in mir aus – bis Merlin eines Nachts im Traum erscheint. Die Frage, warum sie gestorben ist, schüttelt sie locker mit der Bemerkung, dass ich mir immer schon einen Schutzengel gewünscht habe, ab. Seitdem sind an die Stelle der Traurigkeit große Dankbarkeit und Freude getreten. Über Monate hinweg zieht sich die Phase des Trauerns dahin – ein großes Auf und Ab. Doch Merlin bringt uns näher an uns selbst heran. Wir sind froh, uns am Anfang der Schwangerschaft für sie und diese besondere Erfahrung entschieden zu haben. Wir haben nicht nur viel gelernt, sondern wissen in unserem Leben nun auch um einen Schutzengel, welcher uns immer begleitet. Und in der Zwischenzeit haben wir nochmals ein Kind ins Leben eingeladen, unser Sohn Momo, gerade ein Jahr alt geworden.
Unsere Botschaft an euch alle ist: Schützt unsere ungeborenen Kinder! Sie sind unschuldig und hilflos und haben sich euch ausgesucht, weil sie wissen, dass ihr die Kraft und Beharrlichkeit habt, durch die Schwangerschaft und das Eltern-Sein zu gehen. Ihr könnt es schaffen, wenn ihr nur wollt! Ihr seid so stark! Dem Leben eine Chance zu geben heißt, euch selbst eine Chance zu geben. Denn ihr werdet stets über euch hinauswachsen. Und die Geschenke des Lebens, die auf diesem Weg liegen, werden eure wertvollste Bereicherung sein.
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